Die Verhaltenstherapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren der Psychotherapie, das sich auf die Veränderung problematischer Verhaltensweisen und Denkmuster konzentriert. Der Gedanke hinter der Verhaltenstherapie ist, dass viele unserer Probleme auf früher erlernten Mustern, Bewertungen und Reaktionsweisen beruhen und dass wir daher auch neue, positive Verhaltensweisen erlernen können.
Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit dieser Therapieform bei verschiedenen psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen, Zwängen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Für einige dieser Erkrankungen ist der Wirksamkeitsnachweis so gut, dass primär die Verhaltenstherapie in den Leitlinien empfohlen wird.
In den letzten Jahren wurden die Methoden zudem kontinuierlich erweitert und um neue Verfahren wie zum Beispiel Schematherapie, Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) oder Eye Movement Desensitization and Reprocessing Therapie (EMDR) ergänzt, welche die klassische kognitive Verhaltenstherapie bereichert haben. Diese Methoden bieten zusätzliche Ansätze zur Bearbeitung tieferliegender emotionaler Probleme und Traumata.
Die Verhaltenstherapie zeichnet sich durch eine hohe Transparenz und strukturierte Herangehensweise aus. Gemeinsam mit dem Therapeuten werden konkrete Ziele gesetzt, um schrittweise positive Veränderungen im Denken und Verhalten zu erreichen. Dies ermöglicht den Patienten, aktiv an ihrer eigenen Genesung mitzuwirken.
Vor dem eigentlichen Beginn einer Psychotherapie lernen wir uns in einem Erstgespräch kennen. Dabei können Sie mir Ihre Beschwerden schildern und ich werde diese mit Ihnen gemeinsam einordnen. Zur genaueren Abklärung werde ich vertiefende Fragen stellen und dann mit Ihnen eine vorläufige Diagnose sowie mögliche Behandlungsoptionen besprechen.
Neben der Aufklärung und Beantwortung Ihrer Fragen gehört auch die Klärung von Formalitäten wie Vertrag, Schweigepflichterklärung und einiges mehr zum ersten Termin. Je nach Beschwerdekomplexität ist ggf. auch ein zweiter Termin sinnvoll. Die ersten vier Sitzungen sind sogenannte probatorische Sitzungen. Sie dienen dem Aufbau einer vertrauensvollen Arzt-Patienten-Beziehung. Hier werden wir die Problematik vertieft besprechen, es können diagnostische Fragebögen mitgegeben oder gemeinsam durchgegangen werden, es werden Ziele formuliert und lebensgeschichtliche Hintergründe zur Klärung von Störungsursache oder individueller Denk- und Verhaltensweisen beleuchtet. Diese Phase dient für mich der Vorbereitung der eigentlichen Therapie und Sie haben die Möglichkeit herauszufinden, ob "die Chemie" zwischen uns stimmt und Sie vertrauensvoll mit mir arbeiten können. Es ist ausserdem wichtig, dass Sie beim Hausarzt einen Konsiliarbericht einholen. Hierbei soll festgestellt werden, ob es körperliche (Mit-)Ursachen für Ihre Beschwerden gibt oder es gesundheitliche Einschränkungen gibt, die für die psychotherapeutische Behandlung relevant sind.
Im Anschluss beginn die "Arbeitsphase" der Psychotherapie. Der Umfang ist je nach Beschwerdebild unterschiedlich lang, so können in einigen Fällen bereits wenige Sitzungen im Rahmen einer Kurzzeittherapie (bis zu 12 oder 24 Stunden) ausreichen oder auch eine Langzeittherapie (60 Stunden) erforderlich sein. Die Sitzungen finden in der Regel einmal wöchentlich mit 50 Minuten Dauer statt, je nach Art der Beschwerden können aber auch halbe Sitzungen (25min) oder Doppel- und Mehrfachsitzungen notwendig sein. Zumeist finden diese in der Praxis statt, je nach Erfordernis können diese aber auch per Videosprechstunde oder in Ihrem Zuhause bzw. in der näheren Umgebung (sogenannte Expositionstherapie bei Ängsten und Zwangserkrankungen, zB Bahnfahrten, Besuche von Kaufhäusern, Restaurants o.ä.) stattfinden.
Wichtig in der Verhaltenstherapie sind sogenannte Hausaufgaben, da Veränderung nicht in einer Sitzung pro Woche, sondern in der Zeit dazwischen stattfindet. Diese Aufgaben können zum Beispiel Selbstbeobachtungsprotokolle, Arbeitsblätter oder kleinere, gemeinsam vereinbarte challenges sein.
Gegen Ende der Therapie ist es oft sinnvoll, die Abstände zwischen den Terminen zu verlängern, um diese auszuschleichen oder sogenannte Boostersitzungen zum Wiederauffrischen zu vereinbaren.
Die meisten Patienten interessiert vor allem, was eine Psychotherapiestunde kostet. Das ist jedoch gar nicht so einfach zu beantworten, da es verschiedene Behandlungseinheiten gibt, zum Beispiel das Erstgespräch, Akuttherapiestunden oder auch Langzeittherapiestunden. Vor allem am Anfang fallen höhere Kosten an, weil nach der gemeinsamen Stunde noch umfangreiche Tests ausgewertet, die biographische Anamnese ausführlich aufgezeichnet oder Fallkonzepte erstellt werden müssen. Auch kann je nach Anforderung Ihrer Krankenkasse das Erstellen mehr oder weniger umfangreicher Gutachten notwendig sein.
Im Durchschnitt fallen etwa Kosten in Höhe von 130 € pro Sitzung an. Welcher Stundenumfang und wieviel der Kosten von Ihrer Krankenkasse übernommen wird, kommt auf Ihren ganz individuellen Vertrag oder zum Beispiel den Sitz Ihrer Beihilfestelle an (zB haben Schleswig Holstein und Hamburg die neuen Abrechnungsempfehlungen als einzige Länder nicht anerkannt). Vor Aufnahme einer Therapie klären Sie all dies bitte mit Ihrer Kasse.